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WICHTIGE INFORMATIONEN |
Hamburg, 06. Juli 2010
Führungswechsel beim Hamburger Kinderschutzbund
Nach mehr als einem Vierteljahrhundert Vorstandsarbeit hat der Vorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes, Landesverband Hamburg e.V., Prof. Dr. Wulf Rauer, gestern sein Amt an seine Nachfolgerin Frau Margrit Schlankardt, die bereits drei Jahre stellvertretende Vorsitzende gewesen ist, übergeben. Frau Schlankardt ist während ihrer Berufstätigkeit viele Jahre Geschäftsführerin der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung (HAG) gewesen.
Prof. Dr. Wulf Rauer zog anlässlich seiner Verabschiedung auf der Mitgliederversammlung des Hamburger Kinderschutzbundes eine kritische Bilanz seiner 26jährigen Vorstandstätigkeit, die sowohl viele Erfolge als auch einige Enttäuschungen ausweist.
"Zu den Erfolgen ist u. a. zu rechnen:
• Es ist dem Kinderschutzbund gelungen, sowohl eine hochgradige Professionalisierung seiner über 60 Mitarbeiter in den vielfältigen Projekten zu etablieren als auch rund 300 hoch engagierte Hamburger Bürger verantwortungsvoll in die ehrenamtli-che Mitarbeit einzubinden.
• Der Verein hat mit seiner 20jährigen Kinderschutzzentrumsarbeit im schwierigen Feld der Gewalt in Familien Standards in der Stadt gesetzt und nachhaltige Wirkungen in der psychosozialen Versorgung Hamburger Kinder sowie im Helfersystem erzielt.
• Die Projekte zum Umgang mit der Kinderarmut als bedrückender Lebenslage sind niedrigschwellig und den Bedürfnissen der Betroffenen entsprechend sehr differenziert ausgebaut. Sie helfen Kindern, den Anschluss an die Zwei-Drittel-Gesellschaft nicht völlig zu verlieren.
• In den letzten Jahren hat sich die besondere Bedeutung der Prävention im Bereich der Frühen Hilfen niedergeschlagen. Die Angebote des Kinderschutzbundes sind vielfältig und bemühen sich darum, Beziehungen von Anfang an aufzubauen und möglichen Risiken für ein gesundes Aufwachsen vorzubeugen.
Zu den Enttäuschungen und besonderen Sorgen zählen die beiden folgenden beschämenden Lebenssituationen der Hamburger Kinder:
• Trotz 20-jährigen Kampfes des DKSB und vieler anderer Organisationen ist die Armutsproblematik eines Viertels der Hamburger Kinder in einer der reichsten Metropolen Europas immer größer geworden. Die Schere zwischen arm und reich wächst in der Stadt weiter. Es fehlen ganz offensichtlich der gesellschaftliche und der politische Wille, daran etwas substanziell zu ändern. Die aus der sozialen Spaltung entstehenden Risiken für das demokratische Gemeinwesen werden ignoriert.
• Es ist nicht gelungen, die in Hamburg besonders große soziale Bildungsbenachteiligung relevant zu reduzieren. Etwa 30% der Hamburger Schüler sind am Ende der Sekundarstufe nach nationalen und internationalen Maßstäben Risikoschüler. Ihre familiären Ressourcen sind extrem viel schlechter als die der privilegierten Schüler. Eine der aussichtsreichsten Möglichkeiten, an diesem Skandal etwas zu ändern, kann in einer längeren gemeinsamen Beschulung aller Kinder liegen, die der Kinderschutzbund seit vielen Jahren fordert. Alle internationalen Studien zeigen, dass die leistungsschwächeren Kinder in ihren Lernständen profitieren, ohne dass die Leistungsstärkeren Nachteile haben müssen. Ein solches längeres gemeinsames Lernen bedarf eines gesellschaftlichen Konsenses und der Solidarität aller gesellschaftlichen Gruppen. Wie schlecht es um diese Voraussetzungen in Hamburg bestellt ist, kann man daran erkennen, dass in diesem Jahr ein Volksentscheid herbeigeführt werden konnte gegen eine Verlängerung der gemeinsamen Grundschulzeit um lediglich zwei Jahre. Selbst wenn es zur sechsjährigen Primarschule kommt, wird es nach Beschluss fast aller Hamburger Bürgerschaftsfraktionen in den folgenden zehn Jahren keine weiteren Schritte zur Verlängerung des gemeinsamen Lernens in Hamburg geben.
Neben diesen beiden grundsätzlichen Problemen stehen leider aktuell weitere besorgniserregende Entscheidungen an. Nachdem die Bundesregierung bereits Sparbeschlüsse gefasst hat, die besonders arme Familien und damit deren Kinder (z. B. Streichung des Elterngeldes) treffen, stehen in Hamburg radikale Einschnitte an, die allerdings erst nach dem Volksentscheid zur Primarschule verkündet werden sollen. Nachdem bereits KITA-Gebühren erhöht worden sind, muss damit gerechnet werden, dass durch Gebührenerhöhungen in den Behörden und Streichungen von Leistungen insbesondere wieder arme Familien und Kinder betroffen sein werden.
Angesichts dieser Situation wird der Hamburger Kinderschutzbund seine Funktion als Lobby der Hamburger Kinder mit aller Macht wahrnehmen müssen. Je mehr Hamburger Bürgerinnen und Bürger ihn dabei unterstützen, desto eher wird unser Gemeinwesen der UN-Kinderrechtskonvention gerecht werden, die sich auf Strukturen und Entscheidungen im besten Interesse des Kindes verpflichtet hat."

Hamburg, 27. November 2009
Für Kinder - gegen Armut
Unter diesem Motto führen die Welt, die Welt am Sonntag, das Hamburg Journal und NDR 90,3 eine große Spendenaktion durch. Der Grund ist die bestehende Kinderarmut in Hamburg.
60.000 Kinder müssen in unserer Stadt von Hartz IV - Bezügen leben. Dies sind 25 Prozent aller Kinder im Alter bis zu 7 Jahren in Hamburg. In einigen Stadtteilen sind 50 Prozent aller Kinder und Jugendlichen von Armut betroffen. Für 6- bis 13-jährige Kinder stehen laut Regelsatz lediglich 2,78 € täglich für ein gesundes Essen, monatlich 5,34 € für Schuhe, 0,92 € für Spielwaren und Hobbys und 3,78 € für Schulmaterial und Bücher zur Verfügung.
Für diese Kinder bedeutet das
• erheblich reduzierte Chancen auf einen guten Schulabschluss
• mangelnde Gesundheit durch schlechte Ernährung
• Ausgrenzung von kulturellen Veranstaltungen und Freizeitaktivitäten
Die langfristigen Folgen sind dramatisch. Die Leistungsdifferenz am Ende des 4. Schuljahres beträgt bei Schülern in belasteten Ortsteilen bereits 2,5 Schuljahre im Vergleich zu den Leistungen der Schüler in anderen Wohngebieten. Der größte Teil der Jugendlichen, die ohne Hauptschulabschluss die Schule verlassen müssen (das sind 8,2% aller Schüler), stammt aus armen Verhältnissen. Laut einer Studie vom Forschungsinstitut für Kinderernährung sind arme Kinder doppelt so häufig von Fehlernährung betroffen als andere Kinder. Ihnen drohen schwere chronische Erkrankungen.
Dem Hamburger Kinderschutzbund kann es nicht gelingen, grundsätzlich die finanzielle Situation der Familien zu verbessern. Er kann jedoch die häufig durch die schwierige Situation erschöpften Familien beraten und unterstützen.
Wir sind vor allen Dingen dann erfolgreich, wenn wir die Familien vor Ort ansprechen. Deswegen müssen unsere Angebote auf die jeweiligen Bedürfnisse der jeweiligen Wohnquartiere und der dort lebenden Familien ausgerichtet sein. Mit unserer geplanten fahrbaren Beratungsstelle, dem mobilen Familien-Aktions-Zentrum, wollen wir gesundheitliche Aufklärung zu den Themen Stillen, Impfen und der Bedeutung der Kinderfrüherkennungsuntersuchungen durchführen. Wir wollen die Mütter über Kochkurse darin unterstützen, trotz geringer finanzieller Ressourcen die Familien gesund zu ernähren. Über unsere Bewegungsbaustellen wollen wir den Kindern kind- und altersgemäße Bewegungsräume schaffen.
Bitte ermöglichen auch Sie mit Ihrer Spende:
• die Umsetzung einer mobilen Beratungsstelle für soziale Brennpunkte mit wenig Hilfsangeboten
• den Kauf von Büchern und Materialien für die Leseförderung von Kindern
• die Renovierung des Kinder- und Jugendzentrums Alsterdorf
• sozial benachteiligten Kindern ein Wochenende auf dem Bauernhof
Konto 1001 - 390 390
BLZ 200 505 50
Hamburger Sparkasse
Wenn Sie eine Spendenbescheinigung wünschen, geben Sie bitte im Verwendungszweck Ihre Adresse an. Die Bescheinigung wird Ihnen dann zugeschickt.

Hamburg, 28. Mai 2009
Mit großer Zustimmung haben die Mitglieder des Deutschen Kinderschutzbundes auf ihrer Mitgliederversammlung, den Kinderschutztagen, am 16.05.2009 in Sindelfingen zwei Resolutionen verabschiedet.
Der Deutsche Kinderschutzbund fordert die Einführung einer Kindergrundsicherung in Höhe von 322 Euro und kostenlose Bildung sowie Betreuung von der KITA bis zu einem möglichen Universitätsabschluss. Präsident Heinz Hilgers: "Wir sind uns bewusst, dass die Einführung einer Kindergrundsicherung in Deutschland einen großen Systemwechsel bedeutet. Er kann nur dann Wirklichkeit werden, wenn alle politischen und gesellschaftlichen Akteure viel Mut und Weitsicht beweisen."
Des Weiteren sprachen sich die Mitglieder einstimmig für eine Resolution gegen das RTL-Sendeformat "Eltern auf Probe" aus. In der Resolution fordern die Kinderschützerinnen und Kinderschützer RTL auf, die bisher gedrehten Folgen nicht auszustrahlen und auf weitere Staffeln zu verzichten.

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